Influencerin aus Bochum spritzt illegal Lippen mit Hyaluron auf „Habe Gefahren nicht bedacht“

Eine amateurhafte Lippen-Aufspritzerin (ganz links) aus Bochum steht erneut vor Gericht.
Eine amateurhafte Lippen-Aufspritzerin (ganz links) aus Bochum steht erneut vor Gericht. © Werner von Braunschweig
Lesezeit

Knapp ein Jahr nach einem inzwischen rechtskräftigen Gefängnis-Urteil steht ein illegal Lippen und Nasen aufspritzender, ehemaliger Instagram-Star (30) aus Bochum erneut in Bochum vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft hat 13 weitere misslungene Hyaluron-Behandlungen aus den Jahren 2017 bis 2019 angeklagt. Die Angeklagte legte gleich zu Beginn ein volles Geständnis ab.

„Ich war damals sehr jung und habe die Gefahren, die dahinterstecken, nicht bedacht. Heute bin ich mir meiner Schuld aber völlig bewusst“, sagte die Angeklagte zum Prozessauftakt vor der 2. Strafkammer.

Die inzwischen 30-Jährige sitzt aktuell (im offenen Vollzug) eine zweieinhalbjährige Gefängnisstrafe aus Dezember 2021 ab. Das Urteil umfasste 33 Fälle der gefährlichen Körperverletzung bei Männern und Frauen durch amateurhafte und illegale Lippenvergrößerungen. Im Fall einer weiteren Verurteilung müsste die bereits rechtskräftige Haftstrafe zu einer neuen Gesamtstrafe erhöht werden.

Oberstaatsanwalt Andreas Bachmann wirft der damals selbsternannten Beauty-Spezialistin vor, damals auch 13 weiteren jungen Frauen und Männern illegal Lippen und Nasen aufgespritzt zu haben. Meistens bei sich zu Hause in Bochum, wo sich die heute 30-Jährige seinerzeit einen „praxisähnlichen Raum“ errichtet haben soll. In Einzelfällen aber auch in Hotels in Hamburg oder Hannover.

Die Bezahlung (im Durchschnitt 300 Euro pro Behandlung) erfolgte laut Staatsanwaltschaft stets bar.

Amateurhafte Behandlungen

Weil die amateurhaften Behandlungen unsachgemäß durchgeführt (Lippen sollen teilweise durchstoßen worden sein und Gefäße verletzt haben) und bei den Kundinnen und Kunden schmerzhafte Entzündungen, Ablagerungen, Knubbel bis hin zu Blauverfärbungen erzeugt haben sollen, lautet die Anklage neben Betrug und Verstoß gegen das Heilpraktiker-Gesetz auch auf gefährliche Körperverletzung.

Die Staatsanwaltschaft hatte bereits in einem ersten Prozess im Jahr 2019 darauf verwiesen, dass die jetzt zur Anklage gebrachten 13 Fälle bei Zeiten noch verhandelt werden könnten.

Arabella Pooth, die Haupt-Verteidigerin der ehemaligen Influencerin („Das Kapitel ‚Beauty‘ ist für mich zu Ende!“), kritisierte die Vorgehensweise, sich Altfälle in der Hinterhand zu behalten und Jahre später dann doch noch anzuklagen, als „gewissermaßen rechtsstaatswidrig“.

Die Angeklagte habe ihre Strafe seit Ende August im offenen Vollzug (Schlafen im Gefängnis) angetreten, ihre Fehler eingesehen, der Beauty-Branche aufrichtig den Rücken gekehrt und auch beruflich auf anderem Gebiet Fuß gefasst. Warum die Staatsanwaltschaft stur an der Forderung nach Aburteilung der Altfälle festhalte, erschließe sich nicht.

Das Gericht regte eine maßvolle Erhöhung der Haftstrafe an, eine einvernehmliche Verständigung kam am Ende aber nicht zustande.

Für den Prozess sind noch Termine bis zum Januar 2023 anberaumt.