Leser zu explodierenden Verbraucherpreisen: „Gier ist die Pest unserer Zeit“

Redakteur
Usermeinungen müssen nicht der Meinung der Redaktion entsprechen. Wir behalten uns das Recht auf Kürzungen vor.
Usermeinungen müssen nicht der Meinung der Redaktion entsprechen. Wir behalten uns das Recht auf Kürzungen vor. © Ohlrich
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Der Kommentar „Energiekrise: Firmen zocken Verbraucher schamlos ab“ hat eine Fülle an Reaktionen ausgelöst. Zahlreiche Leserinnen und Leser haben ihre Meinung zu diesem Thema geäußert und dabei auch weitere interessante Aspekte ergänzt. Aber es gab auch heftige Kritik an diesem Kommentar und seinem Autor. Wir dokumentieren in Ausschnitten – alles andere wäre viel zu lang – die Leserreaktionen.

Kornelia Nowakowski schreibt:

„Ich erlebe es genauso. Bei mir war es ein Produkt, dessen Menge auf 50% reduziert wurde, eine etwas andere Verpackung bekam und der Preis dann auch noch stieg. Auch der wundersame Preisanstieg bei Kraftstoff, pünktlich vor dem Einstellen des Tankrabatts, ist bemerkenswert. Oder die Gasumlage aus der sich Konzerne bedienen und zusätzliche Gewinne abschöpfen können, oder …

Diese Gier, die sich auf Kosten der ,Normal-Bevölkerung` ausbreitet, ist unbeschreiblich.“

Andrea Klostermann schreibt:

„Sie sprechen mir aus vollem Herzen. Ich bin Ihnen sehr dankbar – auch – für diesen Artikel. Man fühlt sich hilflos und es macht wütend. Die Gier vieler Menschen und Konzerne ist unerträglich geworden.“

Knut Hillner schreibt:

„Wieder einmal Chapeau für Ihre klaren und richtigen Worte. Sie sprechen die Probleme deutlich und ohne Floskeln an. Bitte weiter so.“


Manfred Hürland schreibt:

„Sie benennen die Formel 1 spritverschleudernd und dergleichen. Das nenne ich mal Populismus! Ist die Bundesliga jedes Wochenende mit den Tausenden von Menschen, die meist individuell anreisen, besser? Oder ist dies unpopulär?

Ich hoffe, Sie nutzen nie das Flugzeug. Die überfüllten Flughäfen zeigen, dass Menschen überall hinfliegen – meist nur für Spaß oder Erholung, wofür man nicht zu fliegen braucht.

Bevor Sie andere an den Pranger stellen – fragen Sie sich selbst, wo Sie stehen!“

Gudrun Bickenbach schreibt:

„Noch schlimmer als solche offensichtlichen Wucherpreise finde ich die klammheimlichen Preiserhöhungen, die über eine Änderung der Packungsgröße laufen. Eigentlich erwartet man von einem großen Becher Margarine, dass der Inhalt 500g beträgt. War jedenfalls bisher immer so. Bei Rama habe ich in letzter Zeit beobachtet, dass drei verschiedene Packungsgrößen im Umlauf sind: 400g, 450g und 500g. Die Becher unterscheiden sich rein äußerlich nicht, lediglich durch die aufgedruckte Gewichtsangabe (siehe Foto).

Leserin Gudrun Bickenbach entdeckte zwei Becher Rama-Magarine - absolut identisch in Größe und Design. Nur an der Mengenangabe kann man sehen, dass in dem neuen Becher nur 400 statt wie bisher 500 Gramm stecken.
Leserin Gudrun Bickenbach entdeckte zwei Becher Rama-Magarine – absolut identisch in Größe und Design. Nur an der Mengenangabe kann man sehen, dass in dem neuen Becher nur 400 statt wie bisher 500 Gramm stecken. © Gudrun Bickenbach

So, wie es aussieht, hat man den 500g Becher langsam ausschleichen lassen. Vor ein paar Tagen sah ich bei Aldi im Regal Rama Margarine Becher und habe mal genau hingeschaut. Auf dem Schild am Regal stand 500g und der entsprechende Preis. Bei den Bechern im Regal handelte es sich allerdings um 400g Becher! Wie gesagt, die Becher sind gleich groß! Für mich grenzt das schon an Betrug.“

( Anm. d. Red.: Wir haben zu diesem Fall die Herstellerfirma von Rama, die Upfield Deutschland GmbH, um eine Stellungnahme gebeten. Sie liegt bisher nicht vor.)

Rita Schmoll schreibt:

„Sie sprechen mir aus der Seele, es ist eine Unverschämtheit, die Bürger in solch eine Misere zu schieben. Denen ist alles egal, da steht keiner hinter dem Volk, nur jeder Politiker hinter sich selbst. Haben die Politiker eigentlich Narrenfreit? …

Ihr Joghurt um so viel teurer? Ist den Politikern doch so was von egal. Warum müssen diese Klausuren-Gipfel in solchen überteuerten Schlössern abgehalten werden und müssen da eigentlich alle einzeln in Nobelkarossen

kutschiert werden? Wir Bürger zahlen diesen Unsinn.“

Martina Schmidt aus Unna schreibt:

„Ich halte es genau wie Sie und kaufe Produkte nicht, die mit Wucherpreisen daherkommen.

Was mich aber noch mehr ärgert, sind die Spritpreise. Bei Einführung des Tankrabatts, dauerte es Tage, bis wir Verbraucher den an der Tankstelle erahnen konnten. Angeblich, weil die Mineralölfirmen erst teuer eingekauften Sprit abverkaufen mussten. Nun stiegen die Preise schon vor dem Auslaufen des Tankrabatts, mit der Begründung, die Mineralölfirmen müssten die ,Verluste‘ ausgleichen, die sie im Juni erlitten hätten. Ah ja, höhere Gewinne im Juni und im August ergeben also Verluste.

Glauben die Hersteller, egal welcher Produkte, der Verbraucher ist blind?“

Dr. Matthias Herkt aus Gütersloh schreibt:

„Wir hatten 70 Jahre beinahe durchgängig ungehemmtes Wachstum, dessen Grenzen wir nun erkennen. Die Krise trifft uns deshalb so hart, weil wir ihre schon lange vorher erkennbaren Zeichen ignorieren wollten. Dass jede Krise, jeder Krieg auch ihre/seine Profiteure gebiert und nährt, beweist ein Blick in die Geschichtsbücher. Seit Tausenden von Jahren nichts Neues. Aber ungewohnt für uns deswegen, weil wir uns in die Traumwelt verstiegen hatten, Wachstum und Wohlstand in Frieden würden in alle Ewigkeit fortdauern. Doch dieser Traum ist ausgeträumt.“

Renate Lambardt aus Unna schreibt:

„Die Gesetzgebung ist doch eindeutig! Wieso fühlen sich da zum Beispiel die SPD oder auch die Linken nicht auf dem Plan gerufen? Da müsste mal jemand klagen.

Anscheinend ist Wucher kein verfolgungspflichtiges Delikt. Die andere Wahrheit:

Bei diesen überzogenen Preisen kassiert der Staat doch ordentlich mit!

Und das füllt bei diesen Schulden doch wunderbar die klamme Kasse.“

Martin Langenkämper aus Dortmund schreibt:

“Unsere Gesellschaft geht kaputt an egozentrischen Verhalten nicht nur von Individuen, sondern auch einbezogen sind Wirtschaftsunternehmen, die zunehmend ihre Marktmacht ausspielen. Es scheint heute einfach zu sein, Gewinnportfolien in Großkonzernen auszulagern und Aktionäre daran teilhaben zu lassen (siehe Uniper) und in einer Krise die gemachten Gewinne, die an Mutterkonzerne abgeführt wurden, nicht mehr als Sicherheit deklarieren zu müssen – der Staat und das Volk werden dann zur ungerechtfertigten Alimentierung angehalten – erschreckend und unfassbar.“

Monika Pränger schreibt:

„Gier ist die Pest unserer Zeit – egal wo man hinschaut. Schlechte Qualität zu immer höheren Preisen. Man gewöhnt sich das Essen von Fertigprodukten ab, weil überall nur noch Chemie drin steckt.

Ich habe mich entschieden, Basis-Nahrungsmittel zu kaufen (Mehl, Zucker, Milch etc.) und z.B. Quark mit Marmelade selber zuzubereiten. Kommt billiger und ist gesünder.“

Udo Artelt schreibt:

„Früher nannte man sowas Kriegsgewinnler, die ohne Not sich am Elend der Bevölkerung bereichert haben. Und wer zahlt? Die Mittelschicht. Ich habe mittlerweile oft gehört:

,In Deutschland musst du Asylant oder Hartz-4-Empfänger sein, dann verdienst Du ohne Arbeit genug zum Leben.‘ Das ist eine Aussage, die primär nicht von mir stammt, aber die ich immer wieder höre. Und immer von Bürgern der Mittelschicht.“

Christa Vogt aus Arnsberg schreibt:

„Der Handel denkt kurzsichtig, er wird zunehmend verlieren, denn überwiegend im Bekannten- und Freundeskreis kaufen die meisten nur noch mit dem Zettel,

kaufen Angebote und meiden die unverschämten Preise.“

Familie Schmidt aus Dorsten schreibt:

“Es ist interessant, dass es noch Menschen gibt, die ihre Meinung unverblümt äußern und dies sogar in einem viel gelesenen Medium.

Danke dafür, dass Sie zu solchen Bürgern zählen, zumal man in der heutigen Zeit sehr schnell in die Ecke der Hetze gestellt wird.“

Benno Schmidt schreibt:

„Gehen Sie weiter der BILD-Zeitung auf den Leim und jammern über die Nicht-Maskenträger im Regierungsflieger (bitte die mitfliegenden Journalisten nicht vergessen) und den teuren Joghurt.

So spalten Sie weiter, ganz im Sinne der BILD und des Springer-Verlags.

Ihre journalistische Glaubwürdigkeit haben Sie schon längst verloren. Recherche ist anscheinend nicht Ihr Ding. Eher Polemik und Hetze.“

Jürgen Gerkens schreibt:

“Endlich jemand, der mir aus der Seele spricht. Wieder einmal gelingt es vielen Trittbrettfahrern, den Menschen, die nicht mehr wissen, wie es in Zukunft weitergehen soll, das Geld aus der Tasche zu ziehen.“

Marion Edelhoff aus Dortmund:

“Es ist inzwischen oft so, dass Bio-Eigenmarken der großen Ketten (z.B. bei Rewe) günstiger sind als konventionell erzeugte Produkte von Markenherstellern. Diese Beobachtung stützt für mich Ihre These, dass zumindest einige Markenartikler momentan ordentlich abzocken.

Ein Beispiel: Während ich das schreibe, gönne ich mir meine tägliche Dosis Rewe Bio Edel-Bitter. Kostet 1,49 Euro seit gefühlt ewigen Zeiten und bis gestern – und damit auch nach Energiepreisexplosion und Ukraine-Krieg…“

Ulrike Umbach schreibt:

“Ich gehe davon aus, dass das die Meinung der meisten Menschen in unserem Lande ist, der Konsum ist ja jetzt schon zurückgegangen und ich wünsche mir, dass viele Artikel nicht mehr gekauft werden.

Im übrigen muss ich (und viele andere auch) grundsätzlich nicht die Auswahl unter 150 Sorten Käse haben, insgesamt dürfte sich der gesamte Lebensmittelmarkt auf weniger Artikel zu vernünftigen Preisen einpendeln, das wünsche ich mir. Mit vernünftigen Preisen meine ich auch höhere Fleischpreise und für gutes Gemüse zahle ich gerne einen Euro mehr!“

Joachim Plate aus Selm schreibt:

“Das Problem liegt doch offensichtlich nicht bei dem Hersteller des Produktes, sondern bei den Supermärkten und Discountern. Ich glaube nicht, dass der Milchbauer in dieser Größenordnung mehr für seine Milch bekommt. Im Gegenteil, sie haben Lieferverträge mit zeitlichen Konditionen.“

Wilhelm Gryczan-Wiese schreibt:

“Diesmal liegen Sie auf der richtigen Seite….denn für die aktuellen ins Uferlose steigenden Preise gibt es weder einen Nachweis, und schon gar nicht einen Zusammenhang zur Energie-Kriegskrise…“


Mike Lambert schreibt:

“Unabhängig vom Thema – heute ist es „Trittbrettfahrer des Krieges“ – möchte ich mich einmal persönlich bei Ihnen bedanken. Sie treffen den Nagel einfach immer auf den Kopf. Meistens teile ich Ihre mail mit meiner Frau, die Ihnen ebenfalls zu einem großen Teil zustimmt.

Ich frage mich bei vielen Themen, ob wir nur zu dritt sind, die ähnlicher Meinung sind. Aber egal, ich freue mich schon auf Ihren nächsten Beitrag.“

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