Kanuten Emscher-Lippe

Freunde helfen Freunden – Kanuten räumen, schippen und trösten

Ahrweiler und Euskirchen. Sie bilden das Epizentrum der Flutkatastrophe. Allerdings: Auch gefühlt vor der Haustür gibt es immense Hochwasserschäden. So in Witten, wo Dattelner unterstützen.
Die Dattelner Kanuten helfen ihren Wittener Freunden: (v.l.) Dennis Kohlmann, Barbara Wolf, Suse Boenke, Georg Schäfer, Frank Niemann und Andreas Schaaf. Nicht auf dem Foto: Richard Silbermann. Tags zuvor halfen zudem Manfred Eggers sowie Anika und Michael Trapka. © Privat

Die Kanuten Emscher-Lippe aus Datteln sahen in den sozialen Medien die Hilferufe der Kanufreunde Witten. Dort war die Ruhr, die sonst rund 40 Meter breit ist, auf 600 Meter Breite angewachsen. Bis zu 1,50 Meter hoch stand das Wasser in dem Vereinsgebäude und den zahlreichen Hütten, die direkt an der Ruhr liegen.

„Als wir das lasen, entschlossen wir spontan, hierhin zu fahren, um dem Verein zu helfen. Denn Freunde helfen Freunden“, erzählt Andreas Schaaf, 2. Vorsitzender der KEL, den wir am Sonntag im Einsatz erreichen.

Unglaubliche Fließgeschwindigkeit lag am Mittwoch bei 1000 Kubikmeter pro Sekunde

„Man muss sich mal eines vorstellen: Die Fließgeschwindigkeit der Ruhr liegt normalerweise bei 10 bis 15 Kubikmetern pro Sekunde. Am Mittwoch lag diese bei über 1000“, berichtet Schaaf. Während des Telefonats blickt er auf die Ruhr, die noch immer doppelt so breit ist als sonst.

Andere Vereine vor Ort hätten ihre Boote zunächst verloren, sie dann aber auf dem Kilometer entfernten Kemnader Stausee wieder gefunden. „Darunter waren auch zwei Drachenboote. Die sind 12,50 Meter lang und wiegen 250 Kilo. Die kann man dann auch nicht mal so einfach bergen.“

Mit Kettensägen und Gummistiefeln im Einsatz

Die Dattelner machten sich auf, am Sonntag waren es sieben Helfer. Wie sie unterstützen konnten? „Wir räumen die Hütten aus, versuchen sie, trocken zu legen, beseitigen den Schlamm. Man kann sich nicht vorstellen, wie viele Elektrogeräte kaputt gegangen sind. Ich schaue gerade auf einen Berg mit vier oder fünf defekten Kühlschränken, Öfen, Stereoanlagen. Das ist unglaublich.“ Zudem halfen die Kanuten, die auch Werkzeug und Kettensägen mitgebracht hatten, Wohnwagen wieder aufzurichten. Ihr wichtigstes Utensil: Gummistiefel.

Doch die Dattelner unterstützen nicht alleine mit Man- und Womanpower. „Spontan haben andere Mitglieder zu Hause in Datteln am Bootshaus Waffeln und Kuchen verkauft. Der Erlös geht auch an die Kanufreunde Witten“, kündigt Andreas Schaaf an. Die Reaktion der befreundeten Kanuten aus Witten ging unter die Haut: „Es sind Tränen geflossen, sie sind sehr dankbar“, berichtet Andreas Schaaf.

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