„Das hat im Lebenslauf gefehlt“: Cedric Hüsken unterrichtet in Afrika

Im Basketball werden gerade die Weichen für die nächste Saison gestellt. Cedric Hüsken, Trainer des Regionalligisten Hertener Löwen, mischt aus der Ferne mit: Er arbeitet in Namibia.
Der Sportunterricht findet in Nambia unter blauem Himmel statt: Cedric Hüsken, Trainer der Hertener Löwen, an seiner Schule am Stadtrand von Windhoek. © Privat

Weiter Sandstrand am Atlantik, spektakuläre Sonnenuntergänge, liebevoll gestaltete Kolonialbauten: Die Fotos, die Cedric Hüsken aus Lüderitz im Südwesten Namibias gerade per Handy ins Revier schickt, zeigen: Viel schönere Orte, um die Herbstferien zu verbringen, gibt es nicht.

Im Süden Afrikas ist der Sommer vorüber, vier Wochen sind die Schulen in Namibia gerade dicht. Und wie seine Schülerinnen und Schüler genießt der Trainer des Basketball-Regionalligisten Hertener Löwen die freie Zeit. „Für mich die Gelegenheit, Land und Leute besser kennzulernen“, sagt der 30-Jährige.

Nationalpark statt Deutschunterricht

Etosha Nationalpark, Namib-Wüste oder Diamantküste stehen auf dem Programm – statt Deutsch, Mathe oder Sportunterricht. Cedric Hüsken hat sein Studium am Institut für Waldorfpädagogik in Witten so gut wie abgeschlossen, im Sommer will er eine Stelle als Lehrer antreten. Als der Westdeutsche Basketballverband (WBV) die Saison in der Regionalliga West im März endgültig abbrach, ist er nach Namibia geflogen. Am Stadtrand der Hauptstadt Windhoek unterichtet er an der einzigen Waldorfschule des Landes.

Das funktioniert nach denselben Prinzipien wie hierzulande: Schülerinnen und Schüler lernen von der Klasse eins bis 13 meist fächerübergreifend und an Schwerpunktthemen. Hüsken ist selbst auf eine Walddorfschule gegangen, hat dort sein Abitur gebaut. „Das Konzept überzeugt mich. Als Lehrer fühle ich mich hier gut aufgehoben.“

„Jetzt habe ich die Chance ergriffen“

Sein Pflichtpraktikum am Ende seines Studiums wollte der Hertener nicht einfach „um die Ecke“ ableisten. „Ein längerer Aufenthalt im Ausland hat in meinem Lebenslauf noch gefehlt“, sagt er. „Jetzt habe ich die Chance ergriffen. Namibia ist ein Land, das ich unbedingt einmal kennenlernen wollte.“

Ganz unbeschwert ist der Aufenthalt nicht, Corona bestimmt auch im Südwesten Afrikas das Leben, berichtet Hüsken: „Die Restaurants haben zwar geöffnet, aber Masken sind auch hier überall Pflicht. Am Schultor wird an jedem Morgen bei allen die Temperatur gemessen. Aber der Unterricht findet in allen Klassen ganz normal statt.“ Wenn nicht gerade Herbstferien sind.

Sechste Saison als Cheftrainer bei den Löwen?

Die nutzt Hüsken nun, um zu reisen – und nebenbei seine sportliche Zukunft zu klären. Dabei steht er in engem Kontakt zu den Hertener Löwen. In Kürze soll eine Entscheidung fallen, ob der A-Lizenz-Coach beim Regionalligisten in seine sechste Saison als Cheftrainer geht. Daneben geht es ums Personal auf dem Feld. Denn dass sich die Mannschaft verändern wird, steht bereits fest.

Kapitän Mathias Perl, drei Jahre eine feste Größe im Aufbauspiel der Löwen, ist aus beruflichen und familiären Gründen in seine Heimat Gießen zurückgekehrt. Die Importspieler Lavon Hightower und Andrew Lundström sind kein Thema mehr. Der Hertener „Scharfschütze“ Levi Erkilää liebäugelt mit einem Engagement in der 2. Bundesliga ProB.

Auch Basketball steht auf dem Lehrplan

Wenn es in Namibia dann weitergeht mit dem Unterricht, so Cedric Hüsken, sollen die Weichen gestellt sein. Dann wird in der Waldorfschule in Windhoek im Sportunterricht auch Basketball auf dem Lehrplan stehen. Eine Sporthalle gibt es nicht, alles findet draußen statt. „Die Schülerinnen und Schüler wissen mittlerweile, wie Basketball begeistert ich bin.“

Mehr als drei Monate Arbeit liegen noch vor ihm. Pünktlich zum Schulstart in Nordrhein-Westfalen Mitte August und und damit auch zur heißen Phase der Vorbereitung auf die neue Basketball-Saison 2021/22 will der 30-Jährige dann zurück in Deutschland sein. Ganz sicher um viele Erfahrungen reicher.

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