Fußball

Der Wahnsinn ist zurück: „Das muss einfach raus“

Ein Jahr lang gab es wenig zu tun. Jetzt ist wieder eine Saison im Amateurfußball angelaufen - und auf den Plätzen geht’s rund: Das Sportgericht des Fußballkreises kommt mit der Arbeit kaum hinterher.
Auf den Plätzen im Fußballkreis geht's wieder rund: Das bekommt auch das Sportgericht zu spüren. © picture alliance/dpa

Die noble Geste des Hochlarers Mirzet Efendic hat auch Thomas Michalczak aufmerksam registriert: Der Angreifer hatte am ersten Spieltag der Kreisliga A2 einen Elfmeterpfiff korrigiert. Zu Ungunsten seiner Mannschaft. „Löblich. Da kann man nur den Hut ziehen“, sagt der Vorsitzende des Kreissportgerichts. Kicker wie Efendic bekommt Michalczak selten zu sehen. Der 57-Jährige beschäftigt sich von Amts wegen mit denen, für die Fairness und Anstand auf dem Fußballplatz eher eine untergeordnete Rolle spielen.

Tätlichkeit in einem minderschweren Fall

Nach langer Corona-Pause hat dasKreissportgericht mal wieder in Präsenz verhandelt. Prompt musste es eine knackige Strafe verhängen. Der Tatort: der City Cup in Datteln. Ein Spieler von Kültürspor Datteln II wollte nach einem Foul eine Gelbe Karte nicht akzeptieren und sah daraufhin Gelb-Rot. Was den Mann so in Rage brachte, dass er den Schiedsrichter erst zur Rede stellen wollte – dem Unparteiischen zufolge auch mit Stößen gegen die Brust.

Das Kreissportgericht bei der Arbeit (v.l.): Cornelia Eckold (TuS Gahlen), Thomas Michalczak (VfB Hüls), Dieter Lasarz (DJK SF Datteln) und Kai Moczyk (FC 96 Recklinghausen) vernehmen 2020 einen Zeugen. © Thomas Braucks © Thomas Braucks

Das Kreissportgericht entschied auf eine „Tätlichkeit in einem minderschweren Fall“ und verdonnerte den Spieler zu einer Sperre von einem halben Jahr, wobei drei Monate zur Bewährung ausgesetzt sind. Weil der Klub in der Verhandlung unentschuldigt fehlte, muss Kültürspor auch Ordnungsgeld und Verfahrenskosten, insgesamt knapp 300 Euro, an den Verband berappen.

„Job ist nicht vergnügungssteuerpflichtig“

Für das Sportgericht war das nur der Auftakt, vor den sechs Mitgliedern liegen arbeitsreiche Wochen: Der Amateurfußball-Wahnsinn im Kreis Recklinghausen ist zurück. Wehmütig blickt Thomas Michalczak auf die Kollegen in kleineren Fußballkreisen, die 20 bis 30 Verfahren pro Saison zu bearbeiten haben. In Recklinghausen kommen sie nur schwer hinterher. „Im Moment ist der Job alles andere als vergnügungssteuerpflichtig, in jeder Woche bekomme ich einen neuen Fall auf den Schreibtisch.“ Fälle wohlgemerkt, die eine mündliche Verhandlung nach sich ziehen.

Zu viel Testosteron?

Daneben arbeiten Mitglieder viele Fälle im schriftlichen Verfahren ab. Übrigens auch die aus dem Jugendfußball. Die behandelt das Sportgericht nach Auflösung der Jugendkammer mit. „Wenn wir hier nicht so ein ordentliches Team an Einzelrichtern hätten, wäre das nicht zu schaffen“, sagt Thomas Michalczak.

Heftig sei das gerade. Und ohne eine gehörige Portion Ironie schwer auszuhalten. Thomas Michalczaks Theorie: „Offenbar hat sich in der langen Coronapause viel Testosteron aufgestaut. Das muss jetzt einfach raus.“

Die gibt es am Sitz des Fußballkreises in Recklinghausen vorläufig wohl im Wochentakt. Die Spielabbrüche von SC Marl-Hamm III gegen SuS Hervest II und SV Westerholt gegen Spvgg. 95/08 oder der Tritt gegen einen am Boden liegenden Spieler im Test zwischen dem VfB Waltrop II und Teutonia SuS Waltrop II sind noch nicht aufgearbeitet.

Spielwertung steht auf dem Prüfstand

Dazu kommt eine heikle Causa, die ebenfalls noch zu klären ist: der 4:3-Erfolg des TuS 05 Sinsen II im Marler Kreisliga-Derby beim SC Marl-Hamm. Staffelleiter Franz-Josef Humme hat das Ergebnis inzwischen in ein 2:0 für die Hammer Löwen umgewertet: Ein Sinsener Kicker war nicht korrekt im Spielbericht vermerkt.

Wer in einer Kluft aufläuft, muss auch im Spielbericht vermerkt sein, lautet eine eiserne Fußballregel. Nur: Ob das in diesem Fall so einfach ist? Sinsen verweist darauf, dass das System DFB-net an dem Tag nicht funktionierte und hat Einspruch eingelegt. Die Verhandlung könnte kompliziert werden. Aber das ist Thomas Machalczak und seine Mannschaft gewohnt.

Der Abend in Herten

Täglich um 18:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.