Fußball

Wer geht heute ins Tor? Wenn das Lospech in der Kreisliga C zuschlägt

Das war happig. In der Kreisliga C4 hat der 1. FC Preußen Hochlarmark beim SV Bossendorf II mit 0:20 verloren. Die Verantwortlichen nehmen es gelassen.
Freiwillige vor! Wenn niemand da ist, muss sogar manchmal gelost werden, wenn niemand Lust hat, sich ins Tor zu stellen. © Meike Holz

Es ist ziemlich gesichert, dass Bernard Botsomtwe-Fosu in seiner Karriere nicht mehr mit einem „Lew-Jaschin-Gedächtnispreis“ ausgezeichnet wird. Wahrscheinlich wird der Mann bislang nicht einmal erahnt haben, dass er jemals als Torhüter auflaufen muss. Aber Not macht erfinderisch – Lospech inklusive.

„Der Bernard hat einfach Lospech gehabt“

Wenn ein Kreisliga C-Team mit 0:20 verliert, nehmen Chronisten gerne die Fährte auf und wittern Ungemach. War der Torwart im Dauerschlaf? Oder hat er die Nacht vor dem Spieltag zum Tag gemacht? Im Fall von Bernard Botsomtwe-Fosu gibt es durchaus überzeugende Botschaften seines Vereins 1. FC Preußen Hochlarmark, dass das nicht der Fall ist. „Der Bernard“, so sagt der Mannschaftsverantwortliche Ugur Akyüz vom Team II, „hat einfach Pech gehabt.“ Lospech!

„Wer soll sich heute ins Tor stellen?“

Schauplatz Bossendorf, Sportanlage Marler Straße: Es ist Wahltag, doch ob in ein paar Stunden Olaf Scholz oder Armin Laschet nun die meisten Stimmen bekommen, ist in der Kabine von Preußen II gar kein Thema. Hier geht es um die essenziell bedeutende Frage, wer sich gleich ins Tor stellt. Da aber selbst an einem Wahltag solche Dinge schlecht per Wahl durchgeführt werden können, muss das Los entscheiden. „Wir hatten ja kaum Leute und keine andere Wahl“, sagt Ugur Akyüz. Glücksfee Fortuna ist gegen den armen Bernard. Er geht in den Kasten, kassiert 20 Gegentore, aber nicht ein böses Wort seiner Kumpels. „Hört sich doof an, aber am Bernard lag es nicht“, sagt sein Teamchef, der in einer eh erst vor wenigen Wochen zusammengestellten Truppe diesmal nur vier Stammkräfte zur Verfügung hatte. Und so kamen auf die Schnelle mal wieder „Veteranen“ zum Einsatz, die eigentlich nur noch am Spielfeldrand stehen sollten.

„Aufgeben ist keine Option“

In Bossendorf haben sie ebenfalls gedacht, dass dass ein seltsamer Tag wird.

Marc Bachor beispielsweise geht auf seinen Trainer Thomas Gladhofer zu und sagt ihm, „dass sich dieser Sieg komisch anfühlt“. Bis zu seiner Auswechslung kurz nach Wiederanpfiff hatte Bachor mal eben locker fünf Tore erzielt. Ganz so locker mögen die Preußen die Sache nicht gesehen haben, doch der Teamchef wirkt in seiner Analyse gelöst. Hätte man nicht einfach auf Spielabbruch drängen können? „Ach nein“, sagt Akyüz. „Aufgeben ist keine Option!“

Und so macht der arme Bernard Botsomtwe-Fosu weiter. Auch am kommenden Sonntag. Aber nicht mehr im Kasten. Sondern da, wo seine Heimat ist. Mitten in der Abwehr. Der Stammtorhüter, so wird erzählt, sei dann wieder an Bord. Nur am Rande sei erwähnt, dass es für Bernard und seine arg gebeutelte Truppe dann wieder gegen Bossendorf geht. Diesmal gegen die „Dritte“.

Aber ohne Losverfahren…

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