25 Jahre Netflix: Was Sie noch nicht über den Streaminggiganten wussten

Ein Paar sitzt vor dem Fernseher, der Mann hält die Fernbedienung.
Der Streaminganbieter Netflix feiert seinen 25. Geburtstag. © picture alliance/dpa
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Abends auf dem Sofa werden Serien gebingt, morgens in der Teeküche über die letzte Folge „Better Call Saul“ diskutiert – und wenn die neue Staffel „Stranger Things“ startet, herrscht kollektive Vorfreude.

Der Streaminggigant Netflix hat die Art, wie wir Bewegtbild konsumieren, enorm verändert – mit Binge Watching (Komaglotzen) ein ganzes Lebensgefühl geprägt, mit Netflix and Chill sogar neue Wortkreationen hervorgebracht.

Dabei fing alles mal ganz unspektakulär an: Gestartet ist Netflix vor genau 25 Jahren als DVD-Verleih. Kundinnen und Kunden konnten ein Abo abschließen und sich DVDs per Post nach Hause schicken lassen. Tatsächlich gibt es den Service bis heute – allerdings nur in den USA. Auslöser für die Idee ist Erzählungen zufolge ein Erlebnis von Mitgründer Reed Hastings. Dieser soll eine Geldstrafe von 40 Dollar erhalten haben, weil er einer Videothek den Film „Apollo 13″ zu spät zurückgegeben hatte. Vermutlich eine reine Marketinggeschichte.

Ach, das haben Sie alles gar nicht gewusst? Eine gute Gelegenheit für eine Sammlung der interessantesten Netflix-Fakten, von denen Sie (möglicherweise) noch nie gehört haben.

1. Netflix‘ ursprünglicher Name war Kibble

Bevor Netflix erfolgreich werden konnte, musste zunächst ein Name gefunden werden. Das war offenbar ein schwieriger Prozess: Von Reply über Now Showing bis Eflix lagen offenbar mehrere Wortneuschöpfungen auf dem Tisch. Heißester Favorit allerdings war der Name Kibble (übersetzt: Trockenfutter), wie Mitgründer Marc Randolph mal in einem Interview verriet.

Randolph bezeichnet diesen „Betanamen“ heute als „schlecht“ – und offenbar war er volle Absicht. „Ich war sehr besorgt darüber, einen Dienst zu entwickeln, der gut aussieht, den aber niemand nutzen wollte. Deshalb habe ich mich für Kibble entschieden, um uns an das alte Werbesprichwort zu erinnern: ‚Es spielt keine Rolle, wie gut Ihre Hundefutter-Werbekampagne ist, wenn die Hunde das Hundefutter nicht fressen‘.“

Später wurde die Namensfindung dann ernsthafter. Webflix, Netpix und Skinflicks standen wohl im Raum – bis es schließlich Netflix wurde.

2. Das ikonische Netflix-Soundlogo sollte ursprünglich eine Ziege sein

Seit 2015 ist vor jedem Netflix-Original eine Logoanimation zu sehen und ein inzwischen legendärer Sound zu hören: Ein kurzes Ta-Dum. Kreiert wurde er von Todd Yellin, Head of Product bei Netflix und dem Sounddesigner Lon Bender, der bereits mit einem Oscar für den besten Tonschnitt bei „Braveheart“ ausgezeichnet worden war. In einem Podcast von „Twenty Thousand Hertz“ erklärte Yellin die Idee hinter dem Soundschnipsel. Man habe einen Sound finden wollen, der die Zuschauerin und den Zuschauer denken lässt: „Wow, hier bekomme ich etwas geboten!“

Die zündende Idee kam schließlich, als Bender mit seinem Ehering gegen einen Holzschrank klopfte. Dem wurden ein metallisches Geräusch und der Sound einer elektrischen Gitarre hinzugefügt. Der Sound heißt intern bei Netflix tatsächlich Ta-Dum. Starkomponist Hans Zimmer verfeinerte das Soundlogo 2020 sogar fürs Kino.

Erste Wahl war das inzwischen legendäre Sounddesign aber nicht. Insgesamt habe man 20 bis 30 Sounds produziert, erklärt Yellin in dem Podcast. In die engere Auswahl kamen schließlich ein sprudelndes Geräusch – und sogar eine Ziege. „Ich mochte das Geräusch einer Ziege. Es war lustig. Es war schrullig“, so Yellin. Die Wahl des Ta-dum-Sounds traf schließlich Yellins kleine Tochter, der er alle Soundlogos vorspielte.

3. Netflix hat einen ungewöhnlichen Managementstil

Netflix gilt als einer der beliebtesten Arbeitgeber weltweit. Grund dafür dürfte auch der ungewöhnliche Managementstil sein, der das Unternehmen seit vielen Jahren prägt.

So dürfen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter laut dem Magazin „Forbes“ zum Beispiel frei entscheiden, wie viel Urlaub sie nehmen wollen. Abseits dessen gibt es nur wenige Regeln: Angestellten aus dem Finanzwesen etwa wird auferlegt, bei Quartalsabschlüssen bitte vor Ort zu sein. Ansonsten dürfen Sie sich so oft frei nehmen, wie sie wollen. Auch in anderen Belangen setzt Netflix auf Eigenverantwortung: So kann jeder Mitarbeitende Dienstreisen selbst buchen, Budgetvorgaben gibt es keine. Wer in der IT-Abteilung arbeitet, kann auch die nötigen Geräte selbst kaufen. Es herrsche eine Kultur des hohen Vertrauens.

Diese Kultur habe aber auch ihren Preis: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die nicht die vereinbarte Leistung erbrächten, würden deutlich schneller entlassen als bei anderen Unternehmen. Auch Führungskräfte würden beim Streaminggiganten häufig unter Druck gesetzt. Abgesehen davon stelle Netflix sowieso nur die „Besten der Besten“ ein.

4. Das erstes Netflix-Original war ein verwirrender Testfilm

Im Jahr 2011 erscheint ein merkwürdiges Stück Film auf Netflix. Es trägt den Namen „Example Show“ (Beispielshow) und zeigt eine völlig abstruse Handlung. In zwei Videos à elf Minuten ist mitunter die Totalaufnahme eines Springbrunnens zu sehen, ein jonglierender Mann sowie ein „Julius Cäsar“-Monolog. An anderer Stelle läuft ein Mann rückwärts mit einem Laptop umher oder springt durch einen Park. Dann wird eine Modelleisenbahn gezeigt.

Über die Netflix-Startseite ist die merkwürdige Sendung nicht zu finden, aber über die Suchfunktion. Zuschauerinnen und Zuschauer bemerken sie und beginnen, die verrückten Clips zu teilen und zu rezensieren. Bis heute ist die „Example Show“ auf Netflix aufrufbar.

Was steckt dahinter? Im Jahr 2011 wollte Netflix offenbar verschiedene Formate und Bildraten testen – und wie diese auf der eigenen Plattform aussehen. Also produzierte man elfminütige Clips mit allerhand verwirrenden Bildern und Bewegungen. Auch Kreise, Formen und ein Testbild sind hier zu sehen. Inzwischen ist die Netflix-Testshow eine Art Insidergag unter Streamingfans – sogar eigene Fan-Accounts auf Instagram hat die „Example Show“.

5. Netflix-Mitarbeiter haben früher Hausbesuche gemacht

Was gefällt einem Zuschauer oder einer Zuschauerin – und was nicht? Heute finden genau das ausgeklügelte Algorithmen heraus, um dem Netflix-Publikum genau die Inhalte anzubieten, die es sehen will. Doch schon bei seiner Gründung legte Netflix offenbar großen Wert auf die Meinung seiner Kundinnen und Kunden.

Zum Start des Unternehmens Ende der Neunzigerjahre machten Führungskräfte des Konzerns Hausbesuche, um zu erfahren, wie Kundinnen und Kunden mit der eigenen Website interagieren und nach welchen Kriterien sie Titel auswählen.

Dafür wurden Nutzerinnen und Nutzer am Unternehmensstandort Los Gatos zunächst telefonisch kontaktiert und Termine vereinbart. Zum Hausbesuch soll die Netflix-Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter dann Kaffee mitgebracht haben.

6. Japan hat die beste Netflix-Bibliothek

Netflix ist überall auf der Welt beliebt – doch überall auf der Welt auch anders. Zwar werden die Originalshows des Streamingdienstes weltweit ausgespielt, das Angebot von Serien und Filme von Drittanbietern unterscheidet sich allerdings teilweise deutlich.

So hat etwa Tschechien die größte Netflix-Bibliothek der Welt – insgesamt sind mehr als 7000 Filme und Serien in dem Land abrufbar. Als die beste Netflix-Bibliothek gilt allerdings die aus Japan. Eine Studie des Preisvergleichsdienstes Uswitch hat herausgefunden, dass auf der Plattform in Japan die am besten bewerteten und am häufigsten ausgezeichneten Inhalte zu finden sind.

Tschechien ist aber auch hier weit vorne und belegt den zweiten Platz. Es folgen Südkorea, Großbritannien und die Schweiz. Deutschland steht im Qualitätsranking auf Platz sieben.

7. Ein Netflix-User hat 2017 täglich „Madagascar 3“ geguckt

Wer Serien oder Filme liebt, guckt sie auch gerne öfter. Ein Netflix-Kunde allerdings hat es ein bisschen übertrieben: Er schaute im Jahr 2017 den Film „Madagascar 3″ fast täglich, um genau zu sein 352-mal, wie der Streamingdienst mitteilte.

Wer genau dieser große Madagascar-Fan ist, ist leider nicht bekannt. Daten über den User gab Netflix nicht bekannt.

8. Netflix erzeugt 15 Prozent des weltweiten Internetverkehrs

Videostreaming hat einen großen Nachteil: Es verbraucht wahnsinnig viele Daten. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Netflix einen großen Anteil am weltweiten Datenverkehr hat. Bei den sogenannten Downstreams sind es 15 Prozent, wie der Global Internet Phenomena Report des kanadischen Netzwerkausrüsters Sandvine 2018 herausfand.

13,4 Prozent fallen demnach auf HTTP-Mediensteams, danach folgt Youtube mit einem Anteil von 11,4 Prozent. Webbrowsing und MPEG-Streams haben derweil Anteile von 7,8 und 4,8 Prozent am globalen Downloadtraffic. In Nord- und Südamerika ist der Anteil von Netflix mit 19,1 Prozent sogar noch höher. In Spitzenzeiten nehme Netflix bis zu 40 Prozent der Bandbreite in Anspruch, heißt es in dem Report.

All das liegt übrigens nur daran, dass Netflix für seine Videos ausgeklügelte Kompressionsverfahren nutzt. Würde der Anbieter seine Filme und Serien unkomprimiert streamen, wäre der Datenverkehr noch um ein Vielfaches höher.

9. Netflix stellt Personal fürs Serienschauen ein

Klingt nach einem absoluten Traumjob: Der Streaminggigant stellt Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein, die den ganzen Tag Filme und Serien schauen dürfen. Die sogenannten „Tagger“ sind dafür verantwortlich, eine Produktion mit den richtigen Schlagworten zu beschriften und sie in die richtigen Kategorien einzuordnen. Etwa 40 Personen sind dafür angestellt.

Mike Hastings, Editorial Creative bei Netflix, erklärte Journalistinnen und Journalisten vor ein paar Jahren auf einem Netflix-Event in Berlin, dass eine einzige Serienfolge mit etwa 200 bis 300 Stichworten verknüpft ist. Dafür muss das Team jede einzelne Folge der Produktion schauen. Bei einem Film sind es sogar bis zu 4000 Schlagworte.

Der Job des Taggers besteht also nicht nur aus entspanntem Seriengucken, sondern ist auch mit viel Arbeit verbunden. Zudem dürften die Beschäftigten nicht selbst bestimmen, welche Produktion sie sich angucken. Die Vorgesetzten würden aber versuchen, den Wünschen der Angestellten nachzukommen.

10. Netflix war der erste Streamingdienst, der einen Golden-Globe-Award gewann

Wie sehr Netflix das Entertainmentgeschäft durcheinanderbringt, zeigte sich schon 2014. Da wurde erstmals eine Produktion eines Streamingdienstes mit einem Golden-Globe-Award ausgezeichnet.

Konkret war es Robin Wright, Hauptdarstellerin der Erfolgsserie „House of Cards“. Sie erhielt den Preis als beste Schauspielerin.

11. Netflix wäre fast an Videothekenkette verkauft worden

In den USA gibt es eine Videothekenkette mit dem Namen Blockbuster – oder besser gesagt: Es gab eine. Bekanntermaßen ist das Geschäft mit Leih-DVDs oder gar VHS praktisch ausgestorben.

Im Jahr 2000 hätte genau diese Videothekenkette Netflix beinahe für 50 Millionen Dollar übernommen. Gründer Reed Hastings sah das offenbar als den einzig richtigen Schritt, da sein Unternehmen nicht genug Geld verdiente, um zu überleben. Blockbuster allerdings lehnte das Angebot schließlich ab. Für Netflix eine Entscheidung mit positiven Folgen: Das Unternehmen entschied sich daraufhin, sein Geschäftsmodell zu reformieren und ins Streaminggeschäft einzusteigen – der Rest der Geschichte ist bekannt.

Die Geschichte der Kette Blockbuster verlief etwas anders: Von einst 9.094 Filialen ist nur noch eine einzige übrige geblieben – in der Stadt Bend im US-Bundesstaat Oregon.

RND

Der Artikel "25 Jahre Netflix: Was Sie noch nicht über den Streaminggiganten wussten" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland