9-Euro-Ticket: Fahrrad kostenlos mitnehmen - Städte fordern für ÖPNV dauerhaft mehr Geld

Der Deutsche Städtetag fordert eine dauerhafte Unterstützung der Länder und des Bundes. Das 9-Euro-Ticket reiche nicht.
Der Deutsche Städtetag fordert eine dauerhafte Unterstützung der Länder und des Bundes. Das 9-Euro-Ticket reiche nicht. © dpa/Archiv
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Der Deutsche Städtetag hat dauerhaft mehr Geld vom Bund für den öffentlichen Nahverkehr gefordert. Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Die Idee für ein 9-Euro-Ticket klingt bei steigenden Benzinpreisen und Lebenshaltungskosten nach einem attraktiven Angebot.“ Die Verkehrsunternehmen, Verbünde, Städte und Länder arbeiteten hart daran, alles gangbar zu machen für den bundesweiten Start am 1. Juni. „Wir bezweifeln aber, ob es mit dem 9-Euro-Ticket langfristig gelingt, mehr Menschen für Bus und Bahn zu begeistern. Was passiert nach dem Sommer, wenn die Ticketaktion vorbei ist?“

Die Verkehrsminister der Länder sowie des Bundes kommen am Mittwoch in Bremen zu einer Konferenz zusammen, am Donnerstagmittag soll über die Ergebnisse informiert werden. Ab Juni soll für drei Monate bundesweit für 9 Euro pro Monat ein Ticket im Nah- und Regionalverkehr gelten. Der Bund hat den Ländern dafür Mittel in Höhe von 2,5 Milliarden Euro zugesagt, um Einnahmeausfälle auszugleichen. Dazu will der Bund weitere 1,2 Milliarden Euro für coronabedingte Ausfälle im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) geben. Den Ländern reicht das aber nicht aus. Die Frage ist, ob sie das 9-Euro-Monatsticket noch kippen.

Und es gibt einen Trick, das Fahrrad auch kostenlos mitzunehmen, wie die Rheinische Post berichtet. Das gilt jedenfalls beim Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR). Bürger können ein Abo abschließen, das die kostenlose Mitnahme von Fahrrädern in S-Bahnen und Regionalzügen beinhaltet und dann trotzdem nur 9 Euro im Monat kostet. Der Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) schließt sich bei der Preissenkung auf neun Euro an und ergänzt: „Der Inhaber eines VRS-Monatstickets im Abo kann im Juni, Juli und August samstags mit seinem Fahrrad im VRS unterwegs sein, ohne ein Fahrradticket kaufen zu müssen. Reist er aber in einen anderen Verbund in Deutschland, benötigt er ein separates Fahrradticket – es sei denn, in dem Verbund ist die Fahrradmitnahme kostenfrei.“

„Wir brauchen einen attraktiven, gut ausgebauten und vernetzen ÖPNV, um die Klimaziele zu erreichen“, sagte Dedy. Dafür müssten die Fahrgastzahlen etwa verdoppelt werden im Vergleich zu vor Corona. „Wir brauchen neue Bahnen und Busse. Der Betrieb, das Personal, jede Tankfüllung und die aktuellen Energiepreise werden steigende Zuschüsse brauchen. Deshalb sorgen wir uns um die Finanzierung.“

Dedy: ÖPNV fehlen weitere 1,7 Milliarden Euro

Der Bund wolle in diesem Jahr die ÖPNV-Mittel insgesamt um 3,7 Milliarden Euro erhöhen. „Das ist eine enorme Summe, aber der Löwenanteil, 2,5 Milliarden Euro, ist für das 9-Euro-Ticket reserviert. Der Bund lässt auch die Bereitschaft erkennen, nachzuschießen, wenn das nicht reicht. Wir warnen aber davor, die Lücke mit anderen Mitteln für den ÖPNV zu kompensieren“, so Dedy. „Denn da reicht es schon jetzt hinten und vorne nicht. Einnahmeverluste durch die Corona-Pandemie vergrößern das Defizit und die steigenden Energiepreise belasten die Nahverkehrsunternehmen im laufenden Betrieb. Nach unseren Berechnungen fehlen weitere rund 1,7 Milliarden Euro.“

Dedy sagte weiter, ein auf 2022 begrenztes Finanzierungspaket reiche nicht. „Busse und Bahnen brauchen eine Perspektive. Die für den ÖPNV-Betrieb erforderlichen Regionalisierungsmittel müssen schnell und dauerhaft dem Bedarf angepasst werden. Das war der Plan der Ampel im Koalitionsvertrag und darf nicht auf die lange Bank geschoben werden.“

RND/dpa

Der Artikel "9-Euro-Ticket: Fahrrad kostenlos mitnehmen – Städte fordern für ÖPNV dauerhaft mehr Geld" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland