Polizei, Versorger und Co.: Wie hoch ist der Krankenstand in der wichtigen Infrastruktur?

Teilnehmer einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen und Polizeibeamte stehen auf dem Platz vor dem Theater.
Teilnehmer einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen und Polizeibeamte stehen auf dem Platz vor dem Theater. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild
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Die Polizei ist trotz der grassierenden Omikron-Welle aktuell nicht von größeren Personalausfällen betroffen. Eine Umfrage des RedaktionNetzwerks Deutschland (RND) bei der Polizei von Bund und Ländern zeigt, dass wegen der Corona-Pandemie aktuell nirgendwo mehr als drei Prozent der Polizistinnen und Polizisten fehlen. Auf die meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter muss derzeit die Polizei Berlin verzichten: Nach Angaben des Polizeipräsidiums befinden sich 2,96 Prozent in Quarantäne.

Auch in Bremen und Brandenburg fehlen rund 2 Prozent der Polizistinnen und Polizisten. Den niedrigsten Stand meldete die Polizei Niedersachsen. Laut Innenministerium gibt es zurzeit lediglich 171 Infektionen, was einer Quote von 0,66 Prozent entspricht.

Von 46.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bundespolizei befinden sich derzeit 1554 Personen in Quarantäne. Davon sind 788 mit dem Coronavirus infiziert, was einem Wert von 2,9 Prozent entspricht (Stand: 17.01.). Auswirkungen auf die alltägliche Arbeit hat das aber keine. „Die Arbeits- und Einsatzfähigkeit der Bundespolizei ist sichergestellt, auch bei weiter steigenden Infektionszahlen“, sagte ein Sprecher dem RND.

Die Länder Thüringen, Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und NRW teilten dem RND den genauen Krankenstand „aus taktischen Gründen“ nicht mit, aber nach eigenen Angaben ist dieser auch hier auf einem niedrigen Niveau und unterscheidet sich nicht wesentlich von den Vorjahren.

Um einen möglichen größeren Ausfall vorzuplanen, hat sich die Polizei in allen Bereichen umfassend vorbereitet. So haben alle Direktionen Stufenpläne vorliegen, um auf den Notfall zu reagieren. Im Laufe der Pandemie wurde generell eine Vielzahl von Maßnahmen ergriffen, damit es gar nicht erst zu einer brenzligen Situation kommt. So wurden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – wenn möglich – ins Homeoffice geschickt, es gibt feste Dienstgruppen, eine FFP2-Maskenpflicht sowie tägliche Schnelltests.

Entsorger: Ausfälle wegen Grippe und Corona

Auf Anfrage teilte der Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft e.V. mit, der Krankenstand in der Entsorgungs- und Recyclingbranche sei auf dem jahreszeitlichen Normal. Schätzungsweise liege der Krankenstand aktuell bei um die 6 Prozent. An manchen Standorten etwa in Brandenburg und Baden-Württemberg habe es kurzzeitig erhöhte Krankenstände gegeben. Das habe an der Grippe und nicht nur an Corona gelegen.

Die Unternehmen seien vorbereitet, Notfallpläne seien erarbeitet worden, hieß es weiter. Zudem würden seit Beginn der Pandemie Schutzmaßnahmen gelten, damit es gar nicht erst zu Ausbrüchen komme.

Ähnlich ist es bei der Deutschen Bahn. So sind die Krankenstände meist stabil – mit seltenen regionalen Erhöhungen. Das geht aus einem Brief an den Aufsichtsrat hervor, der dem RND vorliegt. In der Sparte Regio Schiene liegt die Krankmeldequote bei den Lokführerinnen und Lokführern demnach bei 6,9 Prozent.

Energie und Wasser: Verband fordert Priorisierung bei Omikron-Impfung

Kerstin Andreae, Vorsitzende des Bundesverbandes für Energie- und Wasserwirtschaft, teilte dem RND keine genaue Zahl zum aktuellen Krankenstand mit. Sie fordert aber von der Bundesregierung, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Energie- und Wasserwirtschaft für eine Kindernotbetreuung bevorzugt werden. „Gleiches gilt für eine bevorzugte Einbindung in eine Impfkampagne, sobald ein gegen Omikron angepasster Impfstoff verfügbar ist“, so Andreae.

Frank Huster, Hauptgeschäftsführer des DSLV Bundesverband Spedition und Logistik, bewertet die Lage folgendermaßen: „Die Speditions- und Logistikbranche arbeitet mit Hochdruck daran, die Versorgung von Industrie, Handel und Bevölkerung weiterhin sicherzustellen und tut alles, um stillstehende Produktionsbänder und leere Supermärkte zu verhindern.“

Probleme oder nicht? Logistikbranche uneins

Viele Beschäftigte würden im Homeoffice arbeiten und da, wo die Arbeit vor Ort durchgeführt werden müsse, hätten Logistiker in ihren Betrieben aufwendige Hygiene-, Abstands- und Testkonzepte umgesetzt. In der Logistikbranche seien derzeit keine außergewöhnlich hohen Krankenstände zu verzeichnen.

„Die Speditionshäuser sind im Umgang mit dem anhaltenden Pandemiegeschehen inzwischen äußerst routiniert, so dass trotz dünner Personaldecken absehbar keine versorgungsrelevanten Ausfälle größeren Ausmaßes zu befürchten sind“, so Huster.

Anders schätzt der Vorstandsprecher des Bundesverbandes Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL), Dirk Engelhardt, die Situation ein. Er sagte der Nachrichtenagentur Reuters: „Die Situation ist sehr angespannt, weil uns immer mehr Fahrer fehlen.“ Der Krankenstand sei etwa fünf bis zehn Prozentpunkte höher als zu dieser Jahreszeit in Vorkrisenzeiten.

Krankenstand in den Schulen nicht ungewöhnlich hoch

Der Schulunterricht ist in den meisten Ländern nicht stark eingeschränkt. In vielen Ländern wie etwa in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Baden-Württemberg sind etwa ein Prozent der Lehrkräfte in Quarantäne. Ähnlich viele sind mit dem Coronavirus infiziert. Etwas höher liegen die Krankenstände und Lehrkräfte in Quarantäne in Brandenburg (1,3 Prozent erkrankt und 1,9 Prozent in Quarantäne) und Nordrhein-Westfalen (3 Prozent Infizierte und in Quarantäne zusammengenommen).

In Hamburg sind aktuell 10 Prozent aller Lehrkräfte krankgemeldet, was jedoch nicht nur Corona einschließt. Der Krankenstand sei für die Wintermonate nicht ungewöhnlich hoch – der Jahresdurchschnitt liege bei 6 Prozent. Außerdem befinden sich 0,8 Prozent der Lehrkräfte in Quarantäne.

Bayern und das Saarland haben außerdem eine Art Reserve zusammengestellt. Diese Kräfte können je nach Bedarf an verschiedenen Standorten flexibel unterstützen, falls der Unterricht ausfallen müsse.

Das technische Hilfswerk sieht momentan keine Gefahr, nicht einsatzfähig zu sein. Laut Pressesprecher Michael Kretz seien von den etwa 80.000 ehrenamtlichen Helfern und hauptamtlichen Mitarbeitern nur rund 60 Menschen krank oder befänden sich in Quarantäne. Außerdem könnte im Falle eines Einsatzes auch weiter entfernte Ortsverbände angefordert werden, so wie es bei der Flutkatastrophe im Ahrtal geschehen ist.

RND