Polizei

Vermisster Junge aus Oldenburg nach acht Tagen in Gully wiedergefunden

In Oldenburg galt ein 8-Jähriger über eine Woche als vermisst. Es wurde bereits eine Mordkommission gebildet. Nun wurde er an einem ungewöhnlichen Ort gefunden. Es gibt viele offene Fragen.
Polizisten untersuchen einen Gully, in dem ein seit acht Tagen vermisster Achtjähriger aus Oldenburg gefunden wurde.
Polizisten untersuchen einen Gully, in dem ein seit acht Tagen vermisster Achtjähriger aus Oldenburg gefunden wurde. © picture alliance/dpa

Ein seit acht Tagen vermisster Achtjähriger aus Oldenburg ist lebend in einem Gully gefunden worden. Das teilte die Polizei der niedersächsischen Stadt per Twitter mit.

Der geistig behinderte Junge namens Joe war am 17. Juni zuletzt gesehen worden. „Der 8-jährige Joe lebt“, lautete der Tweet am Samstagmorgen (25.6.). „Er wurde soeben in Oldenburg in einem Gully aufgefunden. Aktuell wird er in ein Krankenhaus gebracht und dort versorgt.“

Die vielen Ausrufezeichen drücken aus, was nicht nur die Beamten, sondern die ganze Stadt und viele Menschen in Deutschland empfinden: „Wir sind so glücklich – wirklich!“, sagte Polizeisprecher Stephan Klatte. In den sozialen Medien verbreitete sich die Nachricht rasend schnell.

Ein Spaziergänger hatte in einem Wohnviertel im Stadtteil Donnerschwee gegen 6.20 Uhr ein leises Wimmern aus der Richtung eines Kanaldeckels gehört und die Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste verständigt. Als sie den schweren Deckel öffneten, fanden sie den kleinen Jungen. Gefunden wurde das geistig behinderte Kind damit nur wenige hundert Meter von seinem Elternhaus entfernt. In dem Stadtteil war er auch zuletzt gesehen worden, im Bereich von früheren Kasernen.

Suche in der ganzen Region

Gesucht wurde allerdings in den vergangenen Tagen auch im Nachbarlandkreis Ammerland, nachdem Zeugen den Jungen auf einem Erdbeerfeld in der Nähe eines psychiatrischen Krankenhauses an der Stadtgrenze zu Bad Zwischenahn gesehen haben wollten. Die Polizei schloss nicht aus, dass Joe die Suche als eine Art Versteckspiel verstehen könnte. Sie öffnete daher auch Altkleidercontainer im Stadtgebiet von Oldenburg – vielleicht war Joe ja hineingekrabbelt.

Die Suche bewegte die ganze Region. Freiwillige streiften durch die Stadt, die freiwillige Feuerwehr unterstützte die Beamten. Firmen und Vereine teilten die Suchaufrufe.

Die Frage, wo der geistig behinderte achtjährige Joe geblieben sein könnte, beschäftigte Menschen deutschlandweit. Die verbreiteten Bilder zeigten ein Kind mit Lockenkopf, das fröhlich in die Kamera strahlt. Aber je länger die vergebliche Suche dauerte, umso mehr stieg die Angst, ihn nicht mehr lebend zu finden. Auch die Möglichkeit eines Gewaltverbrechens nahm die Polizei ins Visier. Eine Mordkommission wurde nach einem Zeugenhinweis eingerichtet.

Ein Plakat mit der Aufschrift „Vermisst“ und einigen Informationen zu dem gesuchten Jungen hängt an einem Briefkasten der Deutschen Post in einem Vorort an der Stadtgrenze zu Oldenburg. © picture alliance/dpa

Joe wurde in ein Krankenhaus gebracht

Umso größer ist nun also die Erleichterung über das glückliche Ende. Joe sei äußerlich unverletzt gewesen, als die Polizei ihn aus dem Gully befreite, sagte Klatte. „Aber er war aufgrund der kühleren Nacht deutlich unterkühlt.“ Er wurde sofort in ein Krankenhaus gebracht, wo er versorgt und auch untersucht werden sollte.

Dass Joe endlich gefunden wurde, heißt aber nicht, dass nun die Polizei die Untersuchungen abgeschlossen hat. Es gibt noch viele Fragen, darunter vor allem: Wie kam Joe in den Kanalschacht?

Den zentnerschweren Deckel bekommt auch ein kräftiger Erwachsener nicht so ohne weiteres angehoben. Denkbar sei, dass das Kind an einer anderen Stelle des verzweigten Kanalsystems ins Tunnellabyrinth geklettert und durch die Röhren gekrabbelt sei, erklärte der Polizeisprecher.

„Die Kanalrohre sind teilweise so schmal, da kommt kein Erwachsener durch“, sagte Klatte. Nun wollen die Ermittler mit Kameras im Kanalsystem nach Spuren suchen, um den Weg, den Joe genommen haben könnte, nachzuvollziehen. Aber auch die andere mögliche Erklärung, dass ein Verbrechen vorliegt, habe die Polizei noch nicht zu den Akten gelegt, sagte Klatte. Denkbar also, dass jemand Joe absichtlich in den Gullyschacht gelegt hat. „Auch diese Möglichkeit werden wir weiter im Blick behalten“, betonte der Polizeisprecher.

dpa

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