Nato-Beitritt

Wie Finnland und Schweden die Nato militärisch weiterbringen

Finnland und Schweden suchen Schutz vor russischen Aggressionen im Nato-Bündnis. Doch nicht nur den beiden Staaten bringt der Beitritt Vorteile. Auch die Nato profitiert von den Neumitgliedern.
Ein Soldat nimmt an einer Krisenmanagementübung der Finnischen Internationalen Bereitschaftstruppe (SKVJ) im Rahmen der NATO Evaluation Level 2 (NEL2) teil. © picture alliance/dpa/Lehtikuva

Der anvisierte Nato-Beitritt von Finnland und Schweden bringt nicht nur den Skandinaviern mehr Sicherheit, auch das Militärbündnis profitiert von der Ausweitung nach Nordeuropa. Schon heute sind beide Regierungen verlässliche Partner der Nato. Zwar bürge die „geostrategische Verschiebung sowohl Vorteil als auch Nachteil für die Nato“, sagt Bundeswehr-Fregattenkapitän Göran Swistek im Gespräch mit dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND). Das Potential eines Konflikts mit Russland steige dadurch natürlich. Ob es ein politischer Konflikt bleibe oder militärisch ausgetragen werde ist offen. „Die Nato bekommt mit Finnland und Schweden aber zwei starke Bündnispartner hinzu.“ Die Streitkräfte seien sehr gut trainiert und sehr gut ausgestattet. „Der Vorteil liegt hier klar in der Stärkung der europäischen Sicherheit.“

Bei einem Nato-Beitritt der Skandinavier würde sich das Einflussgebiet des Militärbündnisses von ganz Südeuropa bis nach Nordeuropa erstrecken. Eine relevante Verschiebung, die es der Nato erlaubt, aus fast ganz Europa zu agieren.



Finnland verfügt über 870.000 Reservisten

Wie kein anderes Land in Europa setzt Finnland auf ein System von Wehrpflicht und Reservisten. Im Kriegsfall können die Streitkräfte von 12.300 Berufssoldaten auf 280.000 Soldatinnen und Soldaten erhöht werden – das Land verfügt über gut 870.000 Reservisten. Und das bei lediglich 5,53 Millionen Einwohnern. Allein 21.000 Wehrpflichtige werden in Finnland pro Jahr ausgebildet. Weitere 18.000 Reservisten werden im Rhythmus von drei bis fünf Jahren trainiert, das Wissen wird aufgefrischt, schreibt der Militärexperte Thomas Wiegold in seinem Blog „Augengeradeaus“. Etwa 70 Prozent eines Jahrgangs würden eingezogen – die Wehrpflicht gelte nur für Männer.

Zum Vergleich: Insgesamt leisten in Deutschland nach offiziellen Angaben 183.730 Soldatinnen und Soldaten ihren Dienst bei der Bundeswehr – Berufssoldaten und -soldatinnen, Zeitsoldaten und -soldatinnen und Freiwillig Wehrdienstleistende. Dazu kommen 29.000 Reservistinnen und Reservisten im Dienst in regelmäßigen Übungen.

Neben gut ausgebildeten Streitkräften und einer starken Reserve bringt Finnland darüber hinaus auch ein gut ausgestattetes Militär mit. Seit der russischen Annexion der Krim 2014 und der De-facto-Besetzung von Gebieten im Donbass hat Finnland seine Militärausgaben bereits deutlich erhöht. Helsinki verfügt mit 200 Leopard 2 über fast genauso viele Kampfpanzer wie die Bundeswehr. Und auch die Fähigkeiten der Finnen in der Vorbereitung der Winter- und Cyberkriegsdurchführung sind bei der Nato gefragt.



Mehr Militärausgaben als aktuelle Nato-Staaten

Und auch der als sicher geltende Beitritt Stockholms bringt der Nato Vorteile. „Schweden hat auch eine eigene Rüstungsindustrie mit hochqualitativen Fähigkeiten“, erklärt Swistek, der als aktive Soldat, der aktuell von der Bundeswehr für sicherheits- und militärpolitische Beratung des Parlaments abgestellt ist. Und auch in Schweden wird die Truppe seit Jahren weiter verstärkt. Mit 50.000 Streitkräften ist die Armee der Schweden im Friedensfall deutlich größer als die finnische. Zuletzt wurden für 47 Millionen Euro weitere Mörser bestellt, Radpanzer und neue U-Boote sollen folgen.

Bei den Verteidigungsausgaben liegen die Skandinavier laut „Global Fire Power“ bereits jetzt vor einer Vielzahl von aktuellen Nato-Staaten. Belgien, Dänemark, Portugal, Ungarn oder Tschechien geben weniger führ ihre Verteidigung aus. Schweden kommt auf Ausgaben von 8,6 Milliarden US-Dollar im Jahr, Finnland auf 6,3 Milliarden US-Dollar.

RND

Der Artikel "Wie Finnland und Schweden die Nato militärisch weiterbringen" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland

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